Vielen Dank an das Carrotmob-Team Deutschland für den DIY-Kit, der diesem Guide hier als Basis dient.
Wie du einen Carrotmob selber machst:
Zunächst: Einen Carrotmob selber zu machen ist nicht kompliziert oder schwierig! Lasst euch nicht abschrecken! Diese Anleitung ist keineswegs verbindlich oder garantiert einen erfolgreichen Mob. Ihr müsst die Anleitung nicht Wort für Wort befolgen! Sie soll euch lediglich ein bisschen helfen und Orientierung geben!
Ganz wichtig: Plant Zeit ein! Für den ersten Carrotmob in berlin wurde bspw. sehr intensive fünf Wochen lang organisiert, plus zwei Wochen Follow-up (Umbaumaßnahmen usw.).
Eine weitere Hilfe kann euch auch diese Präsentation und die Workshop Ergebnisse zu unterschiedlichen Themen rund um den Carrotmob sein: Sustainable Marketing – Die Carrotmob-Bewegung!
Also: viel Spaß beim selber machen und – Rock n Roll nicht vergessen!
- Schritt: Zusammenschließen
- Schritt: Plan aufstellen
- Überlegt euch zusammen ein Konzept
- Was? – Was ist euer Thema? Wollt ihr das Klima schützen oder die Arbeitsbedingungen von Leuten verbessern oder, oder, oder?
- Wo? – In welchem Stadtteil wollt ihr den Mob machen?
- Wer? – In welcher Location wollt ihr den Mob machen?
- Läden/Cafes/Kino/Kaufhaus/Öffentliche/Verkehrsmittel/Firma/Organisation/Bank/Gesellschaft/Tankstelle/Behörde etc.
- Begründet, warum ihr eine bestimmte Art von Laden angeht (Tankstelle, Kino, Kiosk,…). In Berlin hat man sich beim ersten Carrotmob für Kioske entschieden, weil a) die keine finanziellen Mittel haben, um Klimaschutz zu machen b) die kein Know-How haben, wie man Energie einsparen kann und c) jeder dort einkauft (täglicher Bedarf).
- Wollt ihr eine Wettbewerbssituation schaffen (der Beste kriegt den Zuschlag) oder nur mit einem Unternehmen verhandeln?
- Überlegt euch was ihr verändern wollt? Was ist euch wichtig? Gibt es in eurer Stadt ein bestimmtes „Problem-Unternehmen“, das ihr ansprechen wollt? Denkt daran, dass die Aktion immer in Gefahr steht, als „Greenwashing“ wahrgenommen zu werden. Deshalb braucht es Gründe, warum ihr euch für ein Unternehmen entscheidet und der Deal, den ihr mit dem Unternehmen aushandelt, sollte nicht einseitig sein, sondern tatsächlich allen gleichsam nützen.
- Überlegt euch ein überzeugendes Konzept, wie ihr eure Carrotmob-Location überzeugt!
- Evtl. übt die Überzeugungsarbeit mal in einem Rollenspiel.
- Seid auf kritische Fragen und Absagen vorbereitet!
- Nehmt Absagen oder Kritik nicht persönlich! Jede_r darf selbst bestimmen was ihm/ihr wichtig ist und wofür er/sie sich selbst engagieren möchte! - Wie lang soll der Carrotmob dauern?
Soll das ganze in ein paar Stunden oder an einem Tag über die Bühne gehen oder innerhalb einer ganzen Woche? Die Entscheidung liegt bei euch. Kommuniziert klar und falls ihr die Aktion nur in einem bestimmten Zeitfenster macht, handelt mit dem Ladenbesitzer noch ein paar Stunden mehr aus (viele Leute kommen auch noch später). - Wer macht was ?
- Wer hat welche Skills/Erfahrungen/Connections?
- Wer würde gerne was machen?
- Homepage designen?
- Web 2,0 (myspace, Facebook, Twitter, Studivz, blogs, Foren etc.)
- Mundpropaganda – sehr nützlich und effektiv. Versucht früh, viele Leute zu erreichen und für die Aktion zu werben. Macht klar, dass es auf jeden einzelnen ankommt.
- Newsletter!, Multiplikatorenliste!
- Wer macht Presse? – überlegt euch wer gut vor der Kamera/vorm Mikro reden kann; Wer die Pressemitteilung schreiben kann? Achtet auf Einheitlichkeit – sonst wirkt ihr schnell unprofessionell; trotzdem könnt ihr kreativ und unkonventionell sein – ihr seid keine Organisation und habt deshalb auch den Bonus der „jungen Wilden“. Nutzt das aus!
- Filmchen: ja oder nein? Wollt ihr eine Dokumentation machen? Wer kann drehen, schneiden etc.? Habt ihr das nötige Equipment? Es gibt viele Sender, die an einer Carrotmob-Aktion Interesse haben. Die meisten würden am Liebsten frühzeitig dabei sein und das ganze als Reportage begleiten. Erste Kontakte könnt ihr von uns (Carrotmob Austria) bekommen. - Wer kümmert sich um die Organisation? :
- Braucht ihr Genehmigungen (e.g. Musik bei der Aktion)?
- Gibt’s Kooperationen?
- Evtl. Funding? – Überlegt euch aber gut, wen ihr um Gelder fragen wollt und könnt! In Berlin wurde der erste Mob ohne Finanzierung von Außen organisiert . Totzdem eignet sich der Mob sehr gut für Sponsoren! Aber Vorsicht: Da gibt’s ethische und politische Fragen, denen ihr euch stellen müsst! Funding könnte euch auch kritisch angelastet werden!
- Könnt ihr kleinere Beträge für Aufwendungen, wie Telefongespräche, Papier, Poster etc. selber stemmen?
- Wer kontaktiert Energieberater?
- Entwickelt einen Zeitplan! – der sollte grob aufzeigen wann ihr was macht.
- Schritt: Action
- Werdet aktiv!
- Trefft euch regelmäßig um Fortschritte und weiteres Vorgehen zu besprechen!
- Achtet darauf, dass ihr eine gute Kommunikationsstrategie habt, d.h. alle Mitorganisierer wissen wer was macht und was gerade auf der Agenda steht.
- Updated euch regelmäßig!! (via Email-Verteiler etc.)
- Entscheidet euch für eine passende Location:
- Der Höchstbietende gewinnt, aber achtet auf euer Bauchgefühl!
- Ihr müsst eurer Mob-Location vertrauen und mit dem/der GeschäftsführerIn zusammenarbeiten können!
- Wichtig: Steht er/sie hinter der Idee des Carrotmobs? Ist die Location nachhaltig (Existiert sie schon min. ein Jahr? etc.)?
- Welche Geschäftsphilosophie verfolgt die Location? – Franchise? Kette? etc.?
- Ist die Location groß genug?
- Erreichbar? (mit öffentlichen Verkehrsmitteln etc.) - Setzt euch mit dem Geschäftsführer der Location zusammen und besprecht das weitere Vorgehen mit ihm. Evtl. schließt Kompromisse, verabredet Termine an denen Ihr mit Presse/Energieberater vorbei schauen könnt.
- Haltet Kontakt und berücksichtigt die Wünsche und Geschäfts- und Arbeitsethik eurer Location! Er/Sie muss trotz seiner Teilnahme am Carrotmob seine/ihre Arbeit machen können! Sichert euch ab, dass deiu Einnahmen für Energiesparmaßnahmen, oder was auch immer ihr vereinbart, aufgewendet werden.
- Schickt die Pressemitteilung an lokale, regionale und nationale Medienunternehmen und Agenturen, auch fachbezogene Medien solltet ihr informieren sowie Internetforen, Blogs usw.
- Bereitet Materialien vor, die ihr vorort braucht (Plakate, Flyer, Kamera, …)
- Schritt: Aktionstag
- Der große Tag!
- Bereitet euch auf alle Eventualitäten vor!
- Überlegt euch was schief gehen könnte und wie ihr damit umgehen könnt
- Pressetermine – seid auf Kritik vorbereitet und habt die Fakts sowie Prinzip und Grundlagen parat, übt evtl. ein Interview mal in einem Rollenspiel
- Plant ausreichend Zeit ein, seid früh genug am Aktionsort
- Teilt die Aufgaben auf
- Info/Aktionsort ausschildern: Poster – sollten umweltfreundlich und energiesparend angefertigt und verteilt werden! Posterverteilen, In Berlin wurde mit Kreide der Aktionsort aufgeschildert, und am Aktionstag während der Aktion wurden Leute auf der Straße in der Umgebung angesprochen und informiert (Flyer zur Aktion sind sinnvoll!)
- Bändigt die Massen! Ihr wollt keine Randalen, auch geklaut werden sollte nicht (um die Aktion und v.a. das Warten in der Einkaufsschlage vor dem Laden angenehmer zu gestalten, wurde in berlin bspw. Straßenmusik organisiert (ABER ACHTUNG: da benötigt ihr u.U. eine Genehmigung!!!!)
- Überlegt euch eine gute Lösung für die Einnahme der Gelder. Am Ende wollen alle wissen, wie viel Geld eingenommen wurde und wie ihr das überprüft habt. Am Besten, es gibt nur eine einzige Kasse, die ihr ständig mit überwacht. Egal, was ihr macht – seid euch sicher, dass alles transparent und unter EURER Kontrolle abläuft. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – gerade wenn’s um Geld geht.
- Stellt eine Büchse für Spenden an den Carrotmob auf (Transparent mit Beschreibung für was ihr es wollt, z.B. Ausgaben für Flyer decken, ein Schild für den Laden, dass er gemobbt wurde, etc.)
- Schritt: Follow-up
- Das A und O!
- Bleibt transparent! Legt Umsatz und zu Re-investierenden Betrag offen dar, Sammelt die Belege für die nötigen Anschaffungen um die Renovierungsarbeiten umzusetzen
- Setzt einen Termin
- Renoviert
- Evaluiert die Organisation und Durchführung eures Carrotmobs zusammen (externes Feedback könnte auch sehr hilfreich sein!!)
- Amplify – Der Erfolg der Aktion hängt davon ab was und wieviel danach kommt! Macht große Berichterstattung, DYI-Kits für viele Nachmacher, Pflegt eure Kontakte, etc.
- Schreibt eure Presseerklärung für danach eventuell schon vor dem Event (danach braucht jeder erst einmal eine Pause)
- Überlegt euch was man danach machen sollte und legt einen festen Plan schon davor an
- Auch wir freuen uns über Feedback und Rückmeldungen von euch!! Kommentare zu diesem DIY-Guide mit Erfahrungen und Vorschlägen bzw. Tipps sind sehr erwünscht!
- Sonstiges
- Erfahrungen, die in berlin gemacht wurden:
- Zeitbedarf. Wenn ihr 5 Wochen Zeit für Orga usw. habt, dann habt ihr 5 Wochen. Nicht mehr und nicht weniger. Wir hatten am Ende sehr viel Stress. Es gibt viele Faktoren, die euch nachher einen Strich durch die Rechnung machen könnt. Deshalb plant einen Puffer ein, der euch erlaubt auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren!
- Presse. Auch bei der Presse mahlen die Mühlen langsam. Viele Medien haben uns nach der Aktion gesagt, dass sie gerne früher davon gehört hätten bzw. auch im Vorfeld gerne begleitet hätten. Ihr könnt soviel öffentlich machen, wie ihr wollt: Von der Auswahl der Läden über eure wöchentlichen Meetings bis hin zu der Renovierung des Ladens. An all dem, ist die Öffentlichkeit gern dabei (muss sie aber auch nicht sein).
- Transparenz. Transparentes Handeln ist immens wichtig. Viele Fragen stellen sich erst während der Vorbereitung bzw. bei der Aktion ( FAQs auf unserer Webseite sind in Vorbereitung). Ihr solltet offensiv mit eurer Einstellung und eurer Konzeption der Aktion umgehen. Es gibt gute Gründe, warum ihr etwas so macht, wie ihr es macht – aber diese Gründe müsst ihr kommunizieren. (Bspw: Warum nehmt ihr kleine Kioske, aber keine kleinen Bioläden? Warum fordert ihr Leute auf, unökologische Produkte zu kaufen? Warum spielen soziale Faktoren (Arbeitsbedingungen) keine Rolle?)
- Mobilisierung der Leute. Twitter, Facebook, Myspace, Blogs brauchen erstens eine ganze Weile um anzulaufen (außerdem braucht es coole Videos, fetzige Nachrichten und eine gute Strategie) und zweitens sind sie nicht alles. Es gibt viele weitere Arten, Leute für die Aktion zu gewinnen: Lokal Plakate aufhängen, Flyer einwerfen und Leuten davon erzählen. Mundpropaganda ist vielleicht das Allerwichtigste: Eure Freunde und deren Freunde haben ganz ganz viel Einfluss auf den Erfolg der Aktion. Auch am Aktionstag solltet ihr auf die Aktion hinweisen. Viele, die beim Carrotmob Berlin aufgetaucht sind, haben erst dort davon erfahren!
- Follow-up. Amplify! Schaut, dass eine große Berichterstattung zustande kommt, macht eine Evaluation, DYI-Kits für möglichst viele Nachmacher, Pflegt eure Kontakte, etc. Der Erfolg der Aktion hängt davon ab was und wie viel danach kommt! Am besten ist wenn ihr diese Sachen schon vor der Aktion plant, vergebt und in die Wege leitet. Nach dem Carrotmob braucht jeder erst einmal eine Pause, danach ist es echt schwierig wieder in die Gänge zu kommen! Nutzt den Enthusiasmus im Vorfeld!
- Schauen was andere machen. Inzwischen gibt es auch von der amerikanischen Seite How-Tos: How to organize a Carrotmob: Short Version (PDF, 3 pages), How to organize a Carrotmob: Full Version (PDF, 15 pages) und Fun & Appendices(englisch).
- Fragen. Gibt es immer viele. Deshalb, wenn ihr irgendwo nicht weiter wisst, fragt uns einfach. Es gibt ganz viel, was nicht in diesen DIY-Kit gepasst hat…
Gerne erweitern wir diesen DIY!
Rock n Roll! So schwer war’s nicht, oder?
Dies ist ein ständig wachsender DIY-Kit. Wir freuen uns über Fragen, Anregungen und weiteren Erfahrungen! Schick uns einfach schnell und informell eine Nachricht oder füge einen Kommentar hinzu.
Vielen dank an das team von carrotmob Deutschalnd, dass wir diesen DIY-Guide auch als Basis für unse verwenden dürfen.